Erhebungsbogen Göttinger Psychologiestudierender: Ergebnisse

Wir wollten wissen:

Ziel der Untersuchung war es, einen Überblick über den Kenntnisstand und die Einstellungen/Vorurteile derjenigen zu gewinnen, die sich im World Wide Web für das Thema Psychologie interessieren. Die Ergebnisse können vielleicht Hinweise darauf geben, in welchen Bereichen Aufklärungsbedarf besteht und so zur Entwicklung eines gezielten Informationsangebots dienen.

Der Fragebogen umfaßte elf Fragen, unterteilt in Wissensfragen und Einstellungsfragen. Die Wissensfragen sollten möglichst spontan nach dem derzeitigen Wissensstand und die Einstellungsfragen sollten möglichst ehrlich beantwortet werden.

Beschreibung der Stichprobe

Bis zum jetzigen Zeitpunkt (15. Mai 1997) haben insgesamt 200 Personen diesen Fragebogen ausgefüllt.

Ergebnisse zu den einzelnen Items


1.) Stellen Sie sich vor, sich auf einer Party angeregt mit einem Fremden/einer Fremden zu unterhalten. Es stellt sich nun im Laufe des Gesprächs heraus, daß IhrE GesprächspartnerIn PsychologIn ist. Was, meinen Sie, sind Ihre ersten Gedanken und Gefühle?

Auf diese Frage haben geantwortet:

Ich zeige Interesse an dem Bereich und gehe weiter darauf ein. 67.0 %
Macht keinen Eindruck auf mich. 17.0 %
Analysiert der/die mich jetzt? 15.5 %
Oh, muß ich jetzt aufpassen, was ich sage? 6.0 %

2.) Womit, meinen Sie, beschäftigt sich die Psychologie ganz allgemein als Wissenschaft?

"Der Gegenstand der Psychologie sind Verhalten, Erleben und Bewußtsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere und äußere Bedingungen und Ursachen." (Zimbardo, 1992, S. 1)

So oder so ähnlich definieren gängige Lehrbücher der Psychologie den Gegenstand der Psychologie. Welche Konzepte verwenden unsere Probanden?

Die durchschnittliche Länge der Definition beträgt in unserer Untersuchung 11.25 Wörter (s = 7.5, mit einer Schwankungsbreite von 2 bis 49 Wörtern).

Das häufigste Inhaltswort lautet Menschen (90 mal), gefolgt von Verhalten (57 mal) und menschlichen (21 mal). Weitere mehr als zehn mal vorkommende Wörter sind:

119 Personen nennen Begriffe der Kategorie "Mensch", 90 Personen nennen die Kategorie "Verhalten" und 41 Personen haben die Kategorie "Erleben" in ihrer Antwort.
Nur 23 Personen führen alle drei Aspekte (Verhalten, Erleben, Mensch) an.

82 Personen nennen methodologische, wissenschafts- und erkentnistheoretische Konzepte:

Analysieren, Beschreiben, Erforschen, Erklären, Untersuchen...
von
Einflüssen, Ursachen, Vorgängen, Wirkungen, Zusammenhängen

Weitere genannte Kategorien waren (in Klammern mehr als einmal genannte Konzepte):

Ferner tauchen auf: "andere Disziplinen" (6 Nennungen), "finanzielle Aspekte" (4 Nennungen) und "Anwendungsaspekte" (4 Nennungen).

3.) Was, glauben Sie, sind die hauptsächlichen angewandten Aufgabengebiete der Psychologie?

Wichtige Anwendungsfächer sind z.B.

Ergebnisse unserer Befragung:

Die durchschnittliche Länge der Antworten beträgt 8.4 Wörter (s = 6.58 bei einer Schwankungsbreite von 2 bis 44 Wörtern)

Folgende Anwendungsfächer wurden genannt (in Klammern Anzahl der Nennungen):

Weniger auf Fächer als auf Tätigkeitsfelder bezogen ist die folgende Übersicht (in Klammern die mehr als einmal genannten Begriffe):

Von 26 Personen wurden Grundlagenfächer genannt, hier ist vielleicht die Unterscheidung Grundlagenfächer - angewandte Fächer nicht bekannt.

Weitere Nennungen betrafen die folgenden Kategorien:

4.) Wen würden Sie von den folgenden Personen als erstes kontaktieren, wenn Sie persönliche Probleme haben, die Sie anscheinend besser und schneller oder überhaupt nur mit fachmännischer Hilfe glauben bewältigen zu können?

Bisher (Stand Mai 1997) haben von den Befragten (n=200) gewählt:
Psychologe 49.5 %
Arzt 22.5 %
Psychiater 7.0 %
Pfarrer 6.0 %
Heilpraktiker 5.5 %

5.) Welche Stichworte fallen Ihnen spontan zu dem Begriff "Psychologisches Experiment" ein?

Die Vorgehensweise der experimentellen Psychologie hat sich mit ihren Hauptströmungen jeweils verändert. Unter dem Behaviorismus sind wohl die Experimente von Pawlow, der Hunde konditionierte, und die Versuche von Skinner an Ratten am bekanntesten. Psychologische Untersuchungen anhand von Tierexperimenten waren üblich in der Phase des Behaviorismus. Dieser ist vom Kognitivismus abgelöst worden, der seinen Forschungsschwerpunkt auf Untersuchungen mit Menschen legt.

Die Untersuchungsmethoden können je nach Fragestellung und Forschungsgebiet sehr unterschiedlich sein. So können die Untersuchungsmethoden von Fragebögen bis hin zur Messung von physischen Merkmalen (zum Beispiel Aufzeichnung der Herzfrequenz) variieren. Untersuchungen können sowohl im Labor als auch in natürlicher Umgebung stattfinden.

6.) Was, glauben Sie, ist der Unterschied zwischen Diplom-Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten?

Kreuzen Sie bitte die Ihrer Meinung nach richtigen Antworten an.

Die richtigen Antworten sind jeweils durch ein X gekennzeichnet, die falschen durch ein -. In Klammern dahinter der Prozentsatz der bisher Befragten (Stand Mai 1997, n=200), die dieses Feld gewählt haben.

Merkmal Diplom-PsychologIn PsychotherapeutIn PsychiaterIn
Muß ein abgeschlossenes Psychologiestudium haben. X (91.9 %) - (24.0 %) - (37.5 %)
Behandelt psychisch kranke Menschen und verschreibt unter anderem Psychopharmaka. - (14.0 %) - (20.5 %) X (82.0 %)
Darf Therapien auf Krankenkassenschein verschreiben. - (25.5 %) - (39.5 %) X (75.5 %)
Muß ein abgeschlossenes Studium haben und kann sich im klinisch-therapeutischen Bereich spezialisiert haben. X (57.5 %) - (45.0 %) X (57.5 %)
Ist einE MedizinerIn mit Zusatzausbildung. - ( 7.0 %) - (28.0 %) X (65.5 %)

7.) Glauben Sie, daß PsychologInnen im Durchschnitt einfühlsamere Menschen sind als die durchschnittliche Bevölkerung?

Bisher (bis Mai 1997, n=200) waren 61.5 % der Befragten der Meinung, PsychologInnen seien nicht einfühlsamer als die durchschnittliche Bevölkerung, 34.0 % waren anderer Meinung, 4.5 % der Befragten äußerten sich zu dieser Frage nicht.

8.) Meinen Sie, daß die meisten PsychologInnen selbst einen "Tick" haben?

Nach einer Untersuchung von Hofstätter (1965) meinen 26% der befragten NichtpsychologInnen und 34% der befragten PsychologInnen, daß Psychologiestudierende "verschrobener" sind als andere Studierende. 34% der befragten NichtpsychologInnen und 32% der befragten PsychologInnen waren der Meinung, daß die meisten Psychologen später selbst einen "Tick" bekommen.

Ein aktuelles Meinungsbild versuchten wir mit dieser Umfrage zu erfassen, bisher (Stand Mai 1997, n=200) waren 43.5 % der Meinung, daß die meisten Psychologen selbst einen "Tick" haben, 51.5 % waren nicht dieser Meinung, die restlichen 5 % äußerten sich nicht dazu.

9.) Was, meinen Sie, zeichnet eineN PsychologIn charakterlich aus?

Bitte nur Eigenschaftsworte!

Nach Hofstätter (1965) werden Psychologen folgendermaßen gesehen:

10.) Informieren Sie sich über psychologische Themen in:

Von den bisher Befragten (Stand Mai 1997, n=200) informierten sich in:

(mehrere Antworten waren möglich)

psychologischen Sachbüchern 49.0 %
allgemeinen Zeitschriften (wie z.B. Brigitte, Freundin...) 30.5 %
psychologischen Fachzeitschriften 28.5 %
Vorträgen 28.5 %
Seminaren 28.0 %

11.) Wie akzeptiert ist es Ihrer Meinung nach in der Bevölkerung, sich psychologische Hilfe/psychologischen Rat zu suchen?

Lediglich 3 % der bisher Befragten waren der Meinung, es würde völlig akzeptiert, sich psychologische Hilfe/psychologischen Rat zu suchen. 35 % meinten, es sei gar nicht akzeptiert, es sei akzeptiert, sagten 58 %.

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